Patellaluxations-OP / operative Stabilisierung der Kniescheibe

Je nach den individuellen anatomischen Verhältnissen, Alter des Patienten und dem Schadensbild kommen verschiedene Techniken zur operativen Stabilisierung der Kniescheibe zur Anwendung. Im Einzelfall muss entschieden werden, ob eine solche Operation im Zuge einer Arthroskopie, also der Schlüsselloch-OP am Knie, durchführbar ist, indem abgesprengte Knorpelteile refixiert oder Knorpelschäden durch verschiedene knorpelchirurgische Maßnahmen behoben werden und dabei auch die innere Kapsel arthroskopische gerafft wird oder ob eine klassische OP-Technik bessere Ergebnisse liefert. Auch dabei gibt es eine Vielzahl operativer Verfahren, je nachdem ob die aktiven Stabilisatoren (Muskelzug des M. vastus medialis), die passiven Stabilisatoren (medialer Kapsel-Bandapparat und mediales Ligamentum patellofemorale (=MPFL) oder die statischen (=knöchernen) Stabilisatoren (Gleitrinne, Patellahochstand, X-Bein) die Hauptursache der Patellaluxation ist.

Klassische Operationen zur Verbesserung der Kniescheibenposition bei wiederholten Patellaluxationen sind:

  • die Kombination aus Release des lateralen Retinakulum mit gleichzeitiger Raffung/Doppelung des medialen Retinakulum (OP nach Insall)
  • die Distal- und Lateralversetzung des M. vastus medialis (Verlagerung des Muskeansatzes nach unten-außen) mit medialer Retinakulumdoppelung (modifizierte dynamische OP nach Madigan)
  • die Medialisierung der lateralen Patellarsehnenhälfte (OP nach Goldwaith)
  • die knöcherne Versetzung des Ansatzes der Patellarsehne am Schienbeinkopf (Tuberositas tibia) nach innen-vorne-unten (Medialisierung-, Ventralisierungs- und Distalisierungs-OP nach Elmslie-Trillat), die v.a. nach Wachstumsabschluß, bei starker X-Beinstellung (Q-Winkel > 20°) sowie gleichzeitigem Patellahochstand indiziert sein kann

Während die früher gebräuchliche alleinige Retinakulumspaltung neben der Kniescheibe am äußeren Kniestreckapparat (sog. laterales Release) keine nennenswerten Rolle mehr in der Behandlung der Patellaluxation spielt, hat sich in den letzten Jahren zunehmend eine Bandplastik durchgesetzt, bei der das zerrissene mediale patellofemorale Ligament (MPFL) wieder ersetzt wird. Dabei wird ähnlich wie bei der Kreuzbandplastik eine Sehne an der Knieinnenseite (i.d.R. die Gracilissehne) entnommen und damit das dreieckförmige Band wieder möglichst anatomiegetreu rekonstruiert (MPFL-Plastik).

Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligaments nach Schöttle (Abb.: Arthrex)

In bestimmten Fällen gibt es auch die Möglichkeit einer sog. Trochleaplastik, bei der eine zu flache Gleitrinne für die Kniescheibe vertieft wird, sodass die Patella stabiler geführt ist.

In der Nachbehandlung kommen verschieden Knie-Orthesen mit zeitweiser Bewegungseinschränkung und Teilbelastung sowie v.a. gezielte Krankengymnastik zum Tragen, um eine weitere muskuläre Stabilisierung/Medialisierung der Kniescheibe durch Training der entsprechenden Muskulatur, v.a. des M. vastus medialis zu erreichen.

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