Arthroskopische vordere Kreuzbandplastik (ACL-Plastik)

Isolierte Teilrisse des vorderen Kreuzbandes (engl.: anterior cruciate ligament = ACL) ohne schwere Begleitverletzungen können durch konservative Behandlung in Form einer speziellen Knie-Orthesenversorgung, welche bestimmte Bewegungen des Kniegelenkes für 6 Wochen blockiert, zusammen mit stabilisierender Krankengymnastik ausreichend stabil ausheilen. Ggf. kann auch mit einem kleinen operativen Eingriff eine arthroskopische Augmentation der noch stehenden Faseranteile erzielt werden, indem durch eine Aufmeißelung (Mikrofrakturierung) des Ursprungsbereiches des vorderen Kreuzbandes (in der Notch) Knochenmarkszellen zum Einwandern in das Kniegelenk angeregt werden und zu einer stabileren Vernarbung des Restbandes führen („Healing Respons“-Technik). In letzter Zeit gibt es auch wieder vermehrt Ansätze, das teilweise oder vollständig gerissene Kreuzband durch bestimmte Nahttechniken zusätzlich zu verstärken (Augmentation). Bei einem vollständig gerissenen vorderen Kreuzband ist eine ausreichende Kniestabilität durch konservative Therapie (mit geblockter Orthese und Krankengymnastik) allerdings nur in ca. 20% zu erwarten. Daher raten wir bei jüngeren Patienten mit entsprechendem sportlichen und / oder beruflichen Funktionsanspruch zu einer Kreuzbandersatzplastik. Dazu gibt es ebenfalls eine Vielzahl von Techniken. Wir favorisieren als erste Wahl die Sehnenersatzplastik mit der eigenen Semitendinosussehne von der Oberschenkelrückseite derselben Seite (manchmal zusammen mit der Gracilissehne), welche 4-fach gelegt ein sehr stabiles Implantat ergeben. Befestigt wird das Transplantat in den Knochenbohrkanälen des Oberschenkels und des Schienbeins mit resorbierbaren Pins, Schrauben oder anderen Implantaten.

Vor allem bei Revisionseingriffen, wenn also eine vorherige Kreuzbandplastik durch ein erneutes Trauma wieder gerissen ist, verwenden wir in der Regel das mittlere Drittel der Patellarsehne, die den Vorteil bietet, dass die Sehne zusammen mit kleinen Knochenblöcken entnommen wird (sog. „Bone-Tendon-Bone“), sodass eine Einheilung auch bei größeren Bohrkanaldefekten möglich ist. Welche Therapie wann und in welcher Variante ausgeführt wird, ist weiter Gegenstand kontroverser wissenschaftlicher Diskussionen. Weitgehend unbestritten ist die Erkenntnis, dass derzeit keine Therapieform qualitativ den ursprünglichen Zustand eines nicht verletzten Kreuzbandes wiederherstellen kann. Eine Langzeitfolge eines Kreuzbandrisses ist die deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit der Ausbildung einer Kniegelenksarthrose – unabhängig von der Art der Behandlung.

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